„Treu ist der euch berufen hat!“
Er wird´s auch vollbringen!“
1 Thes.5,24
Seien wir unbekümmert um uns u. werfen wir all unsere Sorgen auf den Herrn; er hat uns berufen zu seinem Dienste; er wird auch seinen heiligen Willen an uns erfüllen. Er hat uns berufen in seiner unendlichen Barmherzigkeit; folgen wir seinem Rufe; ergeben wir uns ihm gänzlich u. er wird vollbringen, was uns zum Heile gereicht! Treu ist der der uns berufen hat; er ist uns der treueste Freund; er wird uns nimmer verlassen; halten wir nur fest an ihm. Leben wir für ihn u. er wird es vollbringen was uns unmöglich zu sein scheint! Er ist TREU, er ist ALLMÄCHTIG, er hat uns ja berufen. So gehen wir denn zu IHM, so schwach wir auch sind und er wird vollbringen, was uns unmöglich scheint! Gehen wir zu ihm in Vertrauen auf seine Treue, auf seine Kraft! Gehen wir zu ihm und bleiben wir SEIN EIGENTUM! Amen.
Köln,Hotel Ernt, 8.Dezember 1869.
Liebe Schwester Theresia und Kompagnie!
Gute Kinder schlafen nicht ein,wenn sie nicht vorab gute Macht gewünscht haben.Ich bin nun zwar kein Kind mehr und noch weniger ein gutes; aber ich habe doch viele gute Kinder,und im Verkehr mit ihne habe ich mir manche Kinderweise und auch manche Kin derunart angelebt und möchte heute nicht zur Ruhe gehen,ohne meinem Herzen durch zwei Worte Luft gemacht zu haben.....
Wenn ich nun auch mit ganz freiem Herzen von Euch schied,— die Reise mache ich,weil Gott es will so fühlte ich doch,als die Eisenbahn sich bewegte, dass ich von den Keinen ging und den Fremden mich zuveniete.Vie ein Berg von nicht bezahlter Schuld fiel üe ganze Kasse von Treue und Liebe und Sorge uni Duliung auf mich,womit man mich ein halbes Jahr hundert lang verhätschelt hat.Ich suchte nach dem Türmchen der Klosterkirche und freute mich,es zwischen dem Künster und der neuen Marienkirche wie in Mariä Schoss zum Abschied zu erblicken.Dann war-
fen mir die Türme von Eilendorf,Haaren,Eschweiler noch Grüsse von den dortigen Schwestern zu,und ich blieb still und träumerisch,bis der gute Stephan mich mit der fröhlichen Nachricht weckte,man könnte schon deutlich merken,dass wir um ein Erhebliches nach Sü den vorgerückt wären;denn es läge viel weniger Schnee in den Feldern; auch hatte er vorab schon di verse Kleidungsstücke abgelegt; er schält sich von Stunde zu Stunde wie eine Zwiebel.— Hier sind wir im Hotel Ernt brüderlich eingerichtet wie Orestes und Pylades,in einem Zimmer mit zwei Betten,was mich für ihn schmerzt;denn ich glaube,dass ich schnarche wie ein Schnarassei in Brentano...
Stephan gähnt. Gute Nacht! Das sage ich Ihnen, nicht ihm,denn er will noch essen und trinken. Gott sei mit Euch! Gott ist gütiger als alle.Wir arme Sünder können ihm jeden Moment aus den höchsten Höhen seiner Himmelsherrlichkeit herab und aus den tiefsten Tiefen seines Kreuzesleidens herauf in unser Herz ziehen. Wir aber wollen kein Esel sein,wir wollen den Besten über alles lieben,und dann wird er mir gestatten,Euch alle zu lieben noch etwas mehr als mich selbst. Gaudete in Domino!
Ganz der Ihrige.
Andreas Fey.
Liebster Onkel!
Die chemischen Bestandtheile des hiesigen Ragozzi, Elisabethen— Brunnens sind aber nach der neuesten Analyse folgende:
100 Theile Mineral=Wasser enthalten:
1,030661 Chlornatrium;
0,004967 Schwefelsaures Natron;
0,101029 Chlorcalcium;
0,101457 Chlormagnesium;
0,004112 Kieselerde;
0,143106 Kohlensäure Kalkerde;
0,026219 Kohlensäure Bittererde;
0,006020 Kohlensaures Eisenoxids!;
0,281000 Freie Kohlensäure,
1,698571 fixe u.flüchtige Bestandtheile.
Der Brunnen liegt etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt. Er ist 3 Schuh weit u. 12—13 Schuh tief. Der Abfluss beträgt in 24 Stunden 5800 Mass. Sein Wasser ist klar u. hell, in stets wallender Bewegung von der Menge Gasblasen, welche unter Gepolter aus der Tiefe aufsteigen u. mit knisterndem Geräusche an der Oberfläche, besonders am Fassrande, zerplatzen. Deutlich empfindet man in der Nähe einen scharfen Geruch von Kohlensäure, welche den anfangs salzig bittern, hintennach etwas eisenhaft schmeckenden Wasser einen stark prickelnden, auf der Zunge stechenden Geschmack gibt. Ich kostete auch davon es schmeckte mir ganz gut u. kam mir so etwas in die Nase wie starkes Bier.
Homburg ist wunderschön gelegen, 3 Stunden von Frankfurt u.325 Fuss höher wie diese Stadt; nach Osten u. Süden liegt es offen u. frei, das Stromgebiet des Main´s beherrschend, nach Norden u. Westen ist es geschützt von dem ansehnlich hohen Gebirgsrücken des waldigen Taunus. Es wird uns noch Mühe kosten, ehe wir den, 2654 Fuss über der Meeresfläche, hohen Feldberg bestiegen haben werden; zu Fuss werden wir das auch nicht, wir machen keine anstrengende Spaziergänge.— Der Weg von Mainz bis hier ist äusserst schön u. fruchtbar; die Getreidefelder noch reicher wie in Belgien. Von Mainz nach Frankfurt fuhren wir in 5/4 Stunden mit der Eisenbahn; in Frankfurt nahmen wir ein Wägelchen für uns Beide bis nach Homburg u. so hatten wir Gelegenheit die herrlichen Weizenfelder zu bewundern, die ganz besetzt sind mit Obstbäumen, wie bei uns die Wiesen; diese Bäume vermögen nicht mehr allein gerade zu stehen vor Schwere des Obstes, womit sie beladen, sondern werden durch Stützen auf — recht gehalten; so etwas sieht man bei uns gar nicht. Von der kleinen Erhöhung auf welcher Homburg liegt, dicht am Fusse des Taunus übersieht man eine ungemeine Ebene; Frankfurt liegt vor unsern Augen u. dahinter die Berge des Rheins u. die Rheinstrasse.
Die fürstlichen Anlagen, die sich nach allen Seiten hin erstrecken sind sehr angenehm, der Schlossgarten herrlich u. sehr gross; gegen das Gebirg hin führt in gerader Richtung eine etwa drei— viertel Stunden lange Pappeln=Allee, beinahe unmerklich aufsteigend, hinan. Das Schloss selbst bildet mit zwei Höfen ein weit läufiges Gebäude. Der Thurm (180 Fuss hoch.) ist alt; das Fundament dieses Thurmes soll den Römerzeiten angehören. Der Schlossgarten ist für jeden offen, man begegnet manchmal Personen von der landgräflichen Familie; die schattigen Gänge in diesem Garten sind besonders angenehm zum Spazieren, wir wohnen ganz nahe beim Schlosse, in der nämlichen Strasse. — Uns gegenüber wohnt ein katholischer Pfarrer aus Aschaffenburg; ein sehr würdiger Mann der uns wohl besucht und uns gestern noch zum Spaziergang abholte; er erzählte uns unter Thränen wie der vor kurzem zum Bischöfe von Würzburg ernannte Mann, H. Stahl, an dem man nicht wisse was man mehr bewundern solle seine Demut u. Bescheidenheit od: seine ausgezeichneten Eigenschaften, früher sein Schüler gewesen, dann Kaplan an seiner Pfarre. Ueberhaupt spricht er die schönsten Hoffnungen für Bayern aus, wo seit einiger Zeit so aus
gezeichnete Bischöfe gewählt werden, so Graf Reisach für Eichstädt u. Hofstädter für Passau. - Dieser gute Pfarrer braucht auch die Kur hier, das ist angenehm für Andre; der Pfarrer ist reconvalescent von einer schweren Leberkrankheit. Wir haben zwei recht gute Zimmer u. lassen uns das Essen bringen, wir ha ben es uns so bestellt wie wir zu Hause gewohnt sind, borgens um sechs Uhr geht Andre an den Brunnen wo er in Zwischenräumen zwei Gläser Wasser trinkt, mehr darf er noch nicht, das Wasser soll im Anfang immer etwas aufregend wirken, gegen 1/2 acht kommt er nach Hause zum PrUhstück gegen halb 10 soll dann noch ein Bad genommen werden u. Abends trinkt er noch ein Glas Wasser; er befindet sich ziemlich wohl. Andre fügt etwas für Mama bei, welcher Du auch diesen Zettel wohl mittheilen könntest.Du musst Dich nun auch einmal überwinden u. uns schreiben, das freut wenn man weit von Haus ist; es ist schade, dass Du nicht hier bist es würde Dir gewiss gefallen. Soeben kommt der Herr Pfarrer herein — Lebe wohl.
Deine Clara.