Teil 1 - Brief 1 Deutsch

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ACF-BR-1-1-1

Titel

Brief 1 Deutsch

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Bereich "Inhalt und innere Ordnung"

Eingrenzung und Inhalt

Liebster Onkel!

Die chemischen Bestandtheile des hiesigen Ragozzi, Elisabethen— Brunnens sind aber nach der neuesten Analyse folgende:
100 Theile Mineral=Wasser enthalten:
1,030661 Chlornatrium;
0,004967 Schwefelsaures Natron;
0,101029 Chlorcalcium;
0,101457 Chlormagnesium;
0,004112 Kieselerde;
0,143106 Kohlensäure Kalkerde;
0,026219 Kohlensäure Bittererde;
0,006020 Kohlensaures Eisenoxids!;
0,281000 Freie Kohlensäure,
1,698571 fixe u.flüchtige Bestandtheile.

Der Brunnen liegt etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt. Er ist 3 Schuh weit u. 12—13 Schuh tief. Der Abfluss beträgt in 24 Stunden 5800 Mass. Sein Wasser ist klar u. hell, in stets wallender Bewegung von der Menge Gasblasen, welche unter Gepolter aus der Tiefe aufsteigen u. mit knisterndem Geräusche an der Oberfläche, besonders am Fassrande, zerplatzen. Deutlich empfindet man in der Nähe einen scharfen Geruch von Kohlensäure, welche den anfangs salzig bittern, hintennach etwas eisenhaft schmeckenden Wasser einen stark prickelnden, auf der Zunge stechenden Geschmack gibt. Ich kostete auch davon es schmeckte mir ganz gut u. kam mir so etwas in die Nase wie starkes Bier.
Homburg ist wunderschön gelegen, 3 Stunden von Frankfurt u.325 Fuss höher wie diese Stadt; nach Osten u. Süden liegt es offen u. frei, das Stromgebiet des Main´s beherrschend, nach Norden u. Westen ist es geschützt von dem ansehnlich hohen Gebirgsrücken des waldigen Taunus. Es wird uns noch Mühe kosten, ehe wir den, 2654 Fuss über der Meeresfläche, hohen Feldberg bestiegen haben werden; zu Fuss werden wir das auch nicht, wir machen keine anstrengende Spaziergänge.— Der Weg von Mainz bis hier ist äusserst schön u. fruchtbar; die Getreidefelder noch reicher wie in Belgien. Von Mainz nach Frankfurt fuhren wir in 5/4 Stunden mit der Eisenbahn; in Frankfurt nahmen wir ein Wägelchen für uns Beide bis nach Homburg u. so hatten wir Gelegenheit die herrlichen Weizenfelder zu bewundern, die ganz besetzt sind mit Obstbäumen, wie bei uns die Wiesen; diese Bäume vermögen nicht mehr allein gerade zu stehen vor Schwere des Obstes, womit sie beladen, sondern werden durch Stützen auf — recht gehalten; so etwas sieht man bei uns gar nicht. Von der kleinen Erhöhung auf welcher Homburg liegt, dicht am Fusse des Taunus übersieht man eine ungemeine Ebene; Frankfurt liegt vor unsern Augen u. dahinter die Berge des Rheins u. die Rheinstrasse.

Die fürstlichen Anlagen, die sich nach allen Seiten hin erstrecken sind sehr angenehm, der Schlossgarten herrlich u. sehr gross; gegen das Gebirg hin führt in gerader Richtung eine etwa drei— viertel Stunden lange Pappeln=Allee, beinahe unmerklich aufsteigend, hinan. Das Schloss selbst bildet mit zwei Höfen ein weit läufiges Gebäude. Der Thurm (180 Fuss hoch.) ist alt; das Fundament dieses Thurmes soll den Römerzeiten angehören. Der Schlossgarten ist für jeden offen, man begegnet manchmal Personen von der landgräflichen Familie; die schattigen Gänge in diesem Garten sind besonders angenehm zum Spazieren, wir wohnen ganz nahe beim Schlosse, in der nämlichen Strasse. — Uns gegenüber wohnt ein katholischer Pfarrer aus Aschaffenburg; ein sehr würdiger Mann der uns wohl besucht und uns gestern noch zum Spaziergang abholte; er erzählte uns unter Thränen wie der vor kurzem zum Bischöfe von Würzburg ernannte Mann, H. Stahl, an dem man nicht wisse was man mehr bewundern solle seine Demut u. Bescheidenheit od: seine ausgezeichneten Eigenschaften, früher sein Schüler gewesen, dann Kaplan an seiner Pfarre. Ueberhaupt spricht er die schönsten Hoffnungen für Bayern aus, wo seit einiger Zeit so aus
gezeichnete Bischöfe gewählt werden, so Graf Reisach für Eichstädt u. Hofstädter für Passau. - Dieser gute Pfarrer braucht auch die Kur hier, das ist angenehm für Andre; der Pfarrer ist reconvalescent von einer schweren Leberkrankheit. Wir haben zwei recht gute Zimmer u. lassen uns das Essen bringen, wir ha ben es uns so bestellt wie wir zu Hause gewohnt sind, borgens um sechs Uhr geht Andre an den Brunnen wo er in Zwischenräumen zwei Gläser Wasser trinkt, mehr darf er noch nicht, das Wasser soll im Anfang immer etwas aufregend wirken, gegen 1/2 acht kommt er nach Hause zum PrUhstück gegen halb 10 soll dann noch ein Bad genommen werden u. Abends trinkt er noch ein Glas Wasser; er befindet sich ziemlich wohl. Andre fügt etwas für Mama bei, welcher Du auch diesen Zettel wohl mittheilen könntest.Du musst Dich nun auch einmal überwinden u. uns schreiben, das freut wenn man weit von Haus ist; es ist schade, dass Du nicht hier bist es würde Dir gewiss gefallen. Soeben kommt der Herr Pfarrer herein — Lebe wohl.
Deine Clara.

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